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Ziele

Page history last edited by Jan Fendler 8 years, 8 months ago

Anforderungsprofil für Lehrende der Friedrich-Schiller-Universität Jena 

Die Friedrich-Schiller-Universität (FSU) Jena sieht ihren Bildungsauftrag darin, die Ausbildung der Studierenden sowohl forschungs- als auch berufsqualifizierend zu gestalten. Der wissenschaftliche Nachwuchs soll umfassend gefördert und auf seine zukünftigen Aufgaben in der Wissenschaft vorbereitet werden. Ebenso sollen die Studierenden eine universitäre Ausbildung erhalten, die für die komplexen Anforderungen weiterführender beruflicher Laufbahnen grundlegend qualifiziert.

Aus diesem Anspruch ergeben sich Qualitätskriterien an die Gestaltung von Lehre und Anforderungen an die Kompetenzen der Lehrenden im Sinne des „Shift from teaching to learning“ (Berendt, 2004; Wildt, 2003).

 

Die Lehrenden der Friedrich-Schiller-Universität  Jena sollen befähigt sein:

  • den Lehrstoffs am neusten Wissensstand auszurichten,
  • sich inhaltlich an den aktuellen Forschungsfragen  und -befunden zu orientieren,
  • forschungsanaloge Aufgaben zu stellen,
  • das wissenschaftliche Arbeiten einzuüben,
  • unterschiedliche Lernvoraussetzungen und Lebensbedingungen der Studierenden zu berücksichtigen,
  • in der Lehre aktivierende Elemente, die das selbstständige Arbeiten und eigenverantwortliche Lernen der Studierenden fördern,  zu betonen,
  • die Studierenden bei ihren individuellen Lernprozessen anzuleiten und sie dabei zu unterstützen,
  • die Studierenden in die Lage zu versetzen, neue Entwicklungen zu erkennen, zu bewerten und zu benutzen,
  • ein reflexives und kreatives Selbstdenken bei den Studierenden zu entwickeln,         

 

Um Lehre im o.g. Sinne gestalten zu können, ist es für die Lehrenden notwendig, sich lebenslang kontinuierlich weiterzubilden. Hierzu können die Lehrenden auf hochschuldidaktische Qualifizierungsangebote zurückgreifen. (vgl. Koschmieder & Braun, 2011)

 

Ziele:

Teilnehmende am Zertifikatsprogramm "Lehrqualifikation Advanced" sollen beim Ausbau und der Reflexion ihrer Lehrkompetenz unterstützt werden. Insbesondere zielt das Zertifikatsprogramm auf folgende Lehrkompetenzbereiche (Brunner et al., 2006; Shulman, 1986; Weinert, 1999): 

  • Lehrkonzept & Lehransatz
  • Lehrwissen
  • Selbstregulation
  • Lehrmotivation

 

Lehrkonzept & Lehransatz: 

Lehrkonzepte können als lehrendenzentrierte oder studierendenzentrierte Orientierungen klassifiziert werden (Kember & Kwan, 2000; Trigwell, Prosser, & Taylor, 1994). Sie sind durch Überzeugungen über  "gute" Lehre gekennzeichnet (Kember, 1997; Pratt, 1992). Lehrendenzentrierte Orientierung zeichnen sich hierbei vornehmlich durch eine Vermittlung des Wissens aus, während die studierendenzentrierte Orientierung den eigenständigen Erwerb des Wissens durch die Studierenden fokussiert. Lehrkonzepte wiederum werden in einem situativen Interpretationsrahmen als Lehransätze im Handeln des Lehrenden beobachtbar (Kember & Kwan, 2000; Lübeck, 2009; Winteler, 2001) und beeinflussen das Lernen der Studierenden (Kember & Kwan, 2000; Postareff, Lindblom-Ylänne, & Nevgi, 2007).

Bezugnehmend auf den von der KMK (2005) anvisierten "Shift from teaching to learning" (Berendt, 2004; Wildt, 2003) erscheint es daher als relevant, dass Lehrende bei der Entwicklung eines studierendenorientierten Lehrkonzeptes Unterstützung finden.

 

Lehrwissen:

Das Lehrwissen gilt als zentraler Bestandteil der Expertise von Lehrenden. Sie verfügen über Kenntnisse zu Lehr- und Lernstrategien, kennen verschiedene Lehrmethoden und wissen, in welchen Kontexten sie diese einsetzen können (Pintrich, 2002). Aufgrund fehlender Ausbildungsangebote zur Hochschullehre ist das Lehrwissen zumeist durch die Erfahrungen der Lehrenden im täglichen Handlungsfeld entstanden – dem sog.  learning by doing (Anzai & Simon, 1979). Dieses Wissen ist durch subjektive Theorien gekennzeichnet, die Fehlkonzepte beinhalten können (Renkl, 1996).

Um Lehrende bei der Erweiterung und Überprüfung ihres bisherigen Lehrwissens zu unterstützen, bedarf es der Vermittlung von wissenschaftlich fundierten Kenntnissen zur Hochschullehre, die die Lehrenden adaptieren und anwenden können (Dart & Clarke, 1991).

 

Selbstregulation:

Selbstregulation bezeichnet die bewusste Steuerung der Aufmerksamkeit, der Emotionen, der Motivation in Bezug auf eine zielorientierte Handlung (Heckhausen, 2006). Für die Lehre bedeutet dies, dass Lehrende befähigt sind Lehrziele zu setzen, die sie mit Lehrstrategien erreichen können. Hierbei berücksichtigen sie bewusst die Anforderungen der Studierenden, die situativen Gegebenheiten und Lehrinhalte. Dazu gehört auch die Schulung der Wahrnehmung von externalen und internalen Feedbacks zum eigenen Lehren. Diese dienen dabei als Anker für die Auseinandersetzung mit dem eigenen Lehrwissen (Elshout-Mohr, Daalen-Kapteijns, & Meijer, 2004). Lehrende mit einer hohen Selbstregulation zeichnen sich durch eine hohe Bereitschaft zur Fremd- und Selbstevaluation ihrer eigenen Leistungen als Grundlage für ein reflektiertes Lernen aus (Postareff et al., 2007). 

 

Lehrmotivation:

Die Lehrmotivation und die Selbstregulation stehen in Beziehung zueinander. Internale Feedbacks unterstützen die Entwicklung einer intrinsischen Lehrmotivation (Deci, Kasser, & Ryan, 1997). Lehrende, „[…] die Unterrichten als pädagogische Herausforderung wahrnehmen, die Freude daran haben, Schülerinnen und Schüler bei Ihren Lernerfahrungen zu begleiten und ihnen Lerninhalte zu vermitteln, erleben ihre Lehrtätigkeit als intrinsisch erfüllend. Sie interessieren sich sowohl für den pädagogischen Prozess als auch die Inhalte, die sie vermitteln.“ (Kramer, 2002, S. 83). Bezugnehmend sollten Lehrende bei der Entwicklung und Aufrechterhaltung ihrer Lehrmotivation kontinuierlich unterstützt werden, beispielsweise durch individuelle Beratungsangebote und Gruppengespräche. Darüber hinaus sollen die Teilnehmenden motivationspsychologische Kenntnisse erwerben, um entsprechende Strategien in ihren eigenen Lehrveranstaltungen anwenden zu können. 

 

 


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